Resonanz reicht

Vieles von dem, was wir von unseren Eltern lernen, lernen wir über die Resonanz. Das heißt, selbst ohne das wir etwas verbal erklärt bekommen oder gezeigt bekommen, lernen wir. Und so passen wir uns und unser Verhalten zu einem Großteil über die Resonanz an unsere Umgebung an. Soweit so gut und normal – solange zwei gesunde und intakte Nervensysteme in Resonanz gehen. Trifft jedoch ein unentwickeltes (kindliches) Nervensystem auf ein überfordertes und gestresstes (erwachsenes) Nervensystem, hat das Folgen für das unentwickelte Nervensystem. Denn dessen Überleben hängt von der Anpassung an das gestresste Nervensystem ab – und zahlt dafür einen manchmal einen hohen Preis.

Ist z. B. Stress einmal im System wird er so von Generation zu Generation nahtlos weitergegeben. Häufig sogar mit gesundheitlichen Folgen für die Beteiligten. Bis ein Nachkomme diese Muster unterbricht und Heilung in das System bringt.

Ein Weg dies zu tun, ist eine Familienaufstellung. Hier wird geschaut, welche Auswirkungen welches Nervensystem aufgrund welcher Ursachen auf das Familiensystem und damit auf den Einzelnen hatte.

Volker Hepp und ich sitzen gerade im ersten Block unseres 3. Jahres der Traumaausbildung und gerade geht es um das Thema Syndrome. Viele Syndrome – so die Annahme –  haben ihre Wurzel in einem stark überlasteten und überforderten Nervensystem. Und je früher diese Überlastung und Überforderung angefangen hat, umso größer ist der Nährboden für Syndrome.

Hier kann eine Familienaufstellung bei der Ursachenforschung helfen, denn gerade die Kinder der Nachkriegsgeneration sind fast ausschließlich auf überforderte und gestresste (erwachsene) Nervensysteme getroffen. Hier im Rahmen der Aufstellung die Dynamik und Wirkung zu sehen, hilft nicht nur dem eigenen Nervensystem, sondern dem Gesamtsystem ruhig(er) zu werden.

Dies ist sicherlich nur eine Facette eines sehr komplexen Themas. Aber eine, die leider bisher nur sehr wenig Beachtung bei der Betrachtung von Syndromen findet.

Depression

Die Krankheit Depression ist seit dem tragischen Tod von Robert Enke in aller Munde, es gibt Sonderseiten in den großen Wochenmagazinen und Zeitungen darüber. Auf der einen Seite freut mich die Popularität, weil eine Krankheit aus dem Schatten, aus der Grauzone geholt wird, auf der anderen Seite kann diese vermehrte Berichterstattung auch zu Nachahmung anregen. Laut Focus Online leiden derzeit runde 2 Millionen Arbeitnehmer unter Depressionen, ich gehe davon aus, dass die Dunkelziffer noch um ein Vielfaches höher liegt.

Vor allem Männer tun sich schwer, die Krankheit zu benennen bzw. vom Arzt benannt zu bekommen, weil dadurch Mythen (höher, schneller, weiter) ins Wanken geraten und die Identifizierung von Depression oft eine existentielle Krise auslöst. Die nicht benannte – sogenannte larvierte – Depression wird dann mit Medikamenten oberflächlich behandelt, mit anderen Namen belabelt, die vielleicht gesellschaftskonformer und -ungefährlicher sind und – es wird weiter gelitten. Und der erste Schritt aus diesem Teufelskreis ist das Benennen!

Von einem unserer Lehrer hörten wir ein interessantes Wortspiel zu Depression – “I will depress my needs”, was so viel bedeutet, dass hier die eigenen Bedürfnisse massiv unterdrückt, weggeschoben und negiert werden. Und all das, was weggeschoben und negiert wird ist ja nicht wirklich weg, sondern fristet irgendwo sein Dasein, um sich von Zeit zu Zeit wieder zu melden – z.B. als depressive Schübe. Und meine Erfahrung ist die, dass je länger ich etwas unterdrücke, desto massiver kommt es irgendwann an die Oberfläche. Oft sind solche Menschen auch mit der Erfahrung groß geworden, dass sie zurückgewiesen wurden, sobald sie ihre Bedürfnisse äußerten. Das ist ein Erklärungsmodell.

Da wir davon ausgehen, dass dies dann sehr alte Muster sind, kann es vielleicht hilfreich sein zu schauen, wo in der frühen Jugend die kindlichen Bedürfnisse nicht ausgelebt werden durften oder konnten, wo eher Unterdrückung als Überlebensmechnismus wichtig war, weil vieleicht die eigene Lebendigkeit für die Eltern zu viel wurde. Um von da aus “langsam älter zu werden” und seine Bedürfnisse in den erwachsenen Menschen mitzunehmen, zu entdecken und wiederzubeleben.

Genaues Hinsehen

“Genaues Hinsehen”, so lautet der Rat von Gerd Glaeske zu den Symptomen ADS und ADHS. Dazu gab es auch vor ein, zwei Wochen einen Artikel im Stern. Lt. Gerd Glaeske werden vier von zehn Kindern umsonst ruhiggestellt, weil die Gründe woanders liegen. Karin Intveen und ich sind seit Freitagabend in einem weiteren Modul unserer Traumaausbildung. Darunter auch viele Menschen, die mit Kindern arbeiten und die diese Einschätzung noch für viel zu gering halten.

Allgemein ist die Diagnose ADS/ADHS sicherlich entlastend für die Eltern. Endlich hat das Verhalten meines Kindes einen Namen. Aber auch entlastend dahingehend, dass hier eine Krankheit ihre Finger im Spiel hat – und nicht etwa die Eltern der Grund für ein auffälliges Kind sind. Medikament eingestellt. Ruhe eingekehrt. Weder Eltern noch Kinder haben dann persönlichen Handlungsbedarf – das Medikament macht das schon. Und die Diagnose ist sicherlich auch entlastend für die Ärzte, weil sie nun verschreiben können, die kleinen Patienten sind nicht mehr so anstrengend und als Arzt ist man dann nicht mehr verpflichtet, vielleicht “manches ernste Wort” mit den Eltern zu reden.

Entlastung allerorten – bis auf die Kinder, die leiden. Stigmatisiert sind. Gelabelt sind. Und meistens eigentlich viel mehr Halt, Zuneigung, Zuwendung, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und vor allem Liebe sher nötig hätten. Ein Bericht im Stern, der mich sehr betroffen gemacht hat, zumal wir in unserer Arbeit eher mit Erwachsenen als mit Kindern zu tun haben. Das im Stern beschriebene Projekt wurde übrigens von der Sinn-Stiftung gefördert, die sich vor allem für die Kinder einsetzt.

Gewicht – noch ein Nachtrag

Manchmal schwingen ja Dinge aus den Workshops nach, werden wieder angestoßen und kommen dann an die Oberfläche. Karin Intveen und ich durften mit Teilnehmern nach dem Workshop vertiefend im 6-Augen-Coaching weiterarbeiten, was für uns immer sehr spannend ist, zu sehen, was sich in welcher Zeit entwickelt und wie Lebens-Geschichten in einen Heilungsprozess gehen.

Ich nutze das einsetzende Herbst-/Novemberwetter unter anderem zum Lesen und stolperte letztens über ein Buch von Maja Storch, einer von mir sehr geschätzten Therapeutin in Zürich, die ebenso wie wir, sehr viel Rücksicht auf den Körper, seine Erinnerungen und neuronalen Verschaltungen nimmt. Ihr Buch zum Thema heisst “Mein Ich-Gewicht” und nach Seite 60 kann ich es wärmstens weiterempfehlen für all diejenigen, die losgelöst von Diäten sich mit den Dynamiken dahinter beschäftigen wollen – mit dem eigenen Unterbewusstsein, mit somatischen Markern, mit wachsenden und absterbenden Nervenverbindungen. Und alles so präsentiert, dass kein Studium notwendig ist, um das zu verstehen.

Und wer sich mit dem Thema “Starke Frau” auseinander setzen möchte, dem kann ich ihr Buch “Die Sehnsucht der starken Frau …” ans Herz legen. Beide Bücher passend zum Wetter und zur Stillen Zeit. Viel Spaß.

Gewichtiges Wochenende

Gestern Abend ging unser Schwerpunkt-Wochenende zum Thema Gewicht zu Ende. Thema war das eigene Gewicht (in jede Richtung) und natürlich auch die eigene Ge-Wichtigkeit. Dieses Wochenende war für uns in zweierlei Hinsicht spannend – zum Einen arbeiteten wir mit Juliane Werding zusammen, die neben den Aufstellungen den Teilnehmern noch mit ihrer Methode des Self-Balancing behandelte.

Und zum anderen war das unser erstes Themenseminar. Themenseminar in diesem Zusammenhang bedeutet für uns – dass alle Teilnehmer mehr oder weniger dasselbe Anliegen haben und wir dadurch sehr verdichtete zwei Tage miteinander erlebten, da in jeder Aufstellung oder Kleingruppenübung das Grundthema mitschwang – wobei es natürlich immer wieder um die individuelle Fragestellung ging.

Dadurch waren natürlich auch die Stellvertreter in jeder Aufstellung wieder ganz nah an ihrem eigenen Grundthema dran, so dass sich ihre eigene Aufstellung in den Stellvertretungen nochmals vertiefen konnte. Für uns ein Ansporn in diese Richtung weiterzumachen und neue Themen-Seminare zu definieren, vielleicht angelehnt an die Grundbedürfnisse des Menschen, sprich z.B. Nähe/Kontakt usw.

Ein zweites Themenseminar wird im Februar zum Thema Geld, Reichtum und Überfluss stattfinden, hier sind wir schon zur Hälfte ausgebucht, wer also mit diesem Thema “schwanger” geht, sollte sich schnell entscheiden. Bei diesem Seminar sind wir “nur” die Gastgeber, durchgeführt wird es vom Experten zu diesem Thema, Jan Bily, auf den wir uns schon seit längerem freuen und ihn ein Jahr im Voraus für diesen Termin gebucht haben.